Palliativpflege heute
Palliativpflege heuteUnterstützen Sie Angehörige beim Ausdruck ihrer Trauer

Unterstützen Sie Angehörige beim Ausdruck ihrer Trauer

Es gibt verschiedene Formen, wie Sie die Trauer um einen Verstorbenen ausdrücken können. Mit den Angehörigen Ihrer verstorbenen zu Pflegenden kann der Abschied z. B. schon mit der gemeinsamen Versorgung der Leiche beginnen. Auch andere Formen des Gedenkens an den Verstorbenen können Sie aktiv mitgestalten, z. B. über ein jährliches Gedenktreffen.

Ziel von Trauerarbeit ist häufig die Sprachlosigkeit zu überwinden und der Situation ein würdiger Akzent zu geben. Bedenken Sie, dass der Trauerprozess der Angehörigen wesentlich vom Umgang mit der Leiche abhängt. Deshalb soll es hier genauer besprochen werden.

Umso sinnlicher die Versorgung des Toten durch die Angehörigen vorgenommen wird, desto eher können sie das Faktum Tod „erfassen und begreifen“. Denn über Anfassen und Berühren „erleben“ Angehörige den Tod des geliebten Menschen. Dabei überlassen Angehörige Ihnen als Pflegefachkräfte ganz selbstverständlich das Feld und die „Regie“, da sie glauben, Sie hätten die nötige Routine und Fachkenntnis.

Bedenken Sie auch, dass die Angehörigen Ihrer Bewohner und Pflegekunden in einer Ausnahmesituation stecken. Jede Handlung und jedes Wort bekommen hier ein besonderes Gewicht. Auf diese Situation müssen Sie vorbereitet sein. Nichts ist in der Ausnahmesituation „Trauer und Abschied“ unangenehmer als Pannen und Hilflosigkeit der „Profis“.

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Die Versorgung der Leiche als Ritual des Abschieds

Viele der Angehörigen Ihrer Pflegekunden haben noch nie in ihrem Leben einen Leichnam berührt. Daher werden Sie häufig Vorbehalte erleben, wenn Sie Angehörige einladen, den Verstorbenen gemeinsam mit Ihnen zu versorgen.

Mitunter kommen Fragen wie:

  • Darf ich den Leichnam ohne Handschuhe berühren?
  • Darf ich den Toten küssen?
  • Wie lange können wir den Leichnam noch bei uns behalten?
  • Darf man heutzutage eine Leiche zuhause aufbahren?
  • Wie versorgt man eine Leiche?
  • Was machen wir mit der Bettwäsche, in der er verstorben ist?
  • Was geschieht im Körper, nachdem der Tod eingetreten ist?

Für Sie ist es notwendig zu wissen, dass ein toter Mensch nicht giftig ist. Der Mythos des Leichengiftes ist ein Märchen. Für die eigentliche Versorgung der Leiche gibt es dahingehend eine Faustregel:

Das, was Sie bei dem Lebenden mit Handschuhen versorgt haben, etwa den Intimbereich oder eventuell Füße wegen Fußpilz, das versorgen Sie nun bei dem Toten auch mit Handschuhen. Hingegen versorgen Sie den Leichnam nicht mit Handschuhen, wenn Sie es vorher bei dem Lebenden auch nicht getan haben. Das Gleiche gilt auch für das Küssen der Leiche - es ist nicht gesundheitsschädlich.

Zeigen Sie dem Angehörigen, wie Sie mit dem Verstorbenen respektvoll umgehen, indem Sie mit dem Verstorbenen in ruhigem Tonfall sprechen, während Sie ihn versorgen. Behandeln Sie den Toten mit Würde. Wie Sie hierbei idealerweise vorgehen, zeigen Ihnen die folgenden 7 Schritte:

Schritt-für-Schritt-Anleitung: Die Versorgung der Leiche mit Hilfe der Angehörigen

1. Schritt: Informieren Sie die Angehörigen über die Versorgung des Toten
  • Informieren Sie Angehörige, wie eine Versorgung des Leichnams gestaltet werden kann.
  • Erläutern Sie, dass die Versorgung nicht nur hygienischen, sondern vor allem rituellen Aspekten dient.
  • Beschreiben Sie, wie ein Leichnam sich anfühlt.
  • Klären Sie die Umstände, die den Einsatz von Handschuhen rechtfertigen.
  • Bereiten Sie Angehörige auf bestimmte körperliche Phänomene (z. B. Lautbildung beim Drehen der Leiche, Entweichen von Blähungen) vor, damit sie sich nicht erschrecken.
2. Schritt: Bereiten Sie die Utensilien gut vor
  • Vermeiden Sie, unsichere Angehörige im Zimmer des Verstorbenen allein zu lassen.
  • Überlegen Sie gut, ob Sie alle Utensilien vollständig vorbereitet haben.
  • Wenn es dem Wunsch des Verstorbenen entsprach, sollten auch kosmetische (Richten der Haare, Schminken, Versorgung der Fingernägel etc.) Maßnahmen einbezogen werden.
3. Schritt: Übernehmen Sie die Regie und bitten den Angehörigen um Assistenz
  • Bitten Sie den Angehörigen, Ihnen erst einmal zu assistieren.
  • Lassen Sie ihn kleinere Handreichungen (z. B. Handtuch angeben) durchführen, bis er sich traut, mehr Initiative zu übernehmen.
  • Sprechen Sie mit dem Verstorbenen so, als wenn er Sie noch hören könnte.
  • Verzichten Sie, soweit es Ihnen möglich ist, auf den Einsatz von Handschuhen - so sieht der Angehörige, dass Sie die Berührung der Leiche nicht schreckt.
4. Schritt: Fragen Sie nach Vorlieben, die der Verstorbene hatte
  • Lassen Sie sich vom Angehörigen schildern, welche pflegerischen Vorlieben der Verstorbene hatte.
  • Benutzen Sie das gewohnte Aftershave, die vertraute Körperlotion und überlegen Sie gemeinsam, welcher Schmuck und welche Kleidung angelegt werden soll.
  • Ermutigen Sie den Angehörigen, seine Anekdoten zu erzählen, die er mit dem Kleidungsstück oder dem Schmuckstück verbindet.
5. Schritt: Gestalten Sie ein würdevolles Gesamtbild
  • Legen Sie den Verstorbenen in eine natürliche Position (er soll wie ein Schlafender aussehen).
  • Schließen Sie dem Verstorbenen die Augen und den Mund.
  • Wenn möglich, setzen Sie ihm vorher das Gebiss ein.
  • Richten Sie das Zimmer und gestalten Sie die Situation würdevoll, z. B. mit Blumen oder gegebenenfalls mit einem Kreuz und/oder einem Rosenkranz in den gefalteten Händen.
  • Überlegen Sie mit dem Angehörigen zusammen, ob eine bestimmte Musik abgespielt werden soll.
6. Schritt: Verweilen Sie gemeinsam bei dem Toten und lesen Sie einen passenden Text
  • Bitten Sie nun alle weiteren Angehörigen hinzu.
  • Nehmen Sie die Textsammlung und lesen Sie einen Text, den der Verstorbene oder seine Angehörigen sich gewünscht haben.
  • Liegt kein Wunsch vor, sollten Sie einen Text wählen, der dem Verstorbenen, seinen Angehörigen und der Situation gerecht wird.
  • Anschließend können Sie den Angehörigen eine Textsammlung zum Andenken überreichen.
7. Schritt: Bieten Sie Gesprächsbereitschaft an
  • Fragen Sie bei den Angehörigen nach, ob sie abschließend über die Versorgung des Verstorbenen sprechen möchten.
  • Hinterlegen Sie eine Telefonnummer, unter der ein kompetenter Gesprächspartner (z. B. von der Hospizbewegung) zur Verfügung steht.

Wenn es dem Wunsch der Angehörigen entspricht, kann der Leichnam 36 Stunden aufgebahrt werden, in gekühlten Räumen sogar bis 48 Stunden. Selbstverständlich ist es möglich, den Verstorbenen aus dem Krankenhaus oder dem Pflegeheim durch einen Bestatter überführen zu lassen, damit er zuhause aufgebahrt werden kann.

Hierbei entstehen allerdings bei den meisten Bestattern Extrakosten. Die Bettwäsche des Verstorbenen wird ebenfalls so gereinigt, wie es zuvor, als er noch lebte, geschehen ist.