Palliativpflege heute
Palliativpflege heuteDas Wichtigste über die medikamentöse Schmerztherapie für Pflegefachkräfte

Das Wichtigste über die medikamentöse Schmerztherapie für Pflegefachkräfte

„Ja, wer hat denn hier studiert?“ Mit dieser Frage werden häufig Ärzte zitiert, die die Kompetenz in Sachen Schmerztherapie bei Pflegekräften in Frage stellen. Nur wenige wissen allerdings, dass in Deutschland erst seit 1993 Schmerztherapie als fester Bestandteil mit ins Medizinstudium aufgenommen wurde.

Bis dahin hatten Ärzte in Deutschland nur wenig über die kunstgerechte Behandlung von Schmerzen gelernt. Vor diesem Hintergrund und für eine professionelle Zusammenarbeit mit Ihrem Hausarzt erwartet der Expertenstandard von Ihnen, dass Sie als Pflegekraft über das erforderliche Wissen zur medikamentösen Schmerzbehandlung verfügen. Aber was ist das erforderliche Wissen? Und wenn Sie es dann haben, wie wird es angewendet?

Das WHO-Stufenschema für den Schmerz

Dieses Schema ist ein gutes Lernschema. Gemäß den unterschiedlichen Schmerzstärken gibt es eine Reihe von Schmerzmitteln, die zur Linderung eingesetzt werden können.

Das WHO-Stufenschema ist in 3 Stufen unterteilt. Stufe 1 ist für mäßige Schmerzen vorbehalten. Hier finden sich z. B. Medikamente wie: Paracetamol, Novalgin, Aspirin oder Ibuprofen. Zusätzlich werden noch so genannte Koanalgetika eingesetzt.

Wichtig: Die Medikamentengruppe der 2. Stufe können mit denen der 1. Stufe kombiniert werden. Zusätzlich können auch hier wieder Koanalgetika und Medikamente zur Bekämpfung der Nebenwirkungen gegeben werden. Eine der wesentlichen Nebenwirkungen ist die Obstipation. Besprechen Sie also frühzeitig mit dem Hausarzt die Gabe von Abführmitteln für Ihren Pflegekunden.

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Auf Stufe 2 des WHO-Stufenschemas werden schwach wirkende Opioide eingesetzt. Hier sind beispielhaft das Tilidin und das Tramadol zu nennen. Leider wirken diese Medikamente nur sehr kurz, so dass Sie rechtzeitig mit dem behandelnden Arzt die Gabe von verzögert freigesetzten Medikamenten, so genannten retardierten Medikamenten, absprechen sollten. So ist eine 24-stündige Schmerzfreiheit eher zu gewährleisten.

Wichtig: Um eine gute Schmerztherapie umzusetzen, ist es wichtig, dass Sie bei Ihren Pflegekunden mit den Mythen um das Morphin aufräumen. Bei einer kunstgerechten Schmerztherapie, das bedeutet in diesem Fall die Gabe nach festem Zeitschema, stellt sich keine Suchtsymptomatik ein. Nebenwirkungen bei Ihren Pflegekunden lassen in der Regel nach ca. 10 Tagen nach. Hier sollten Sie rechtzeitig mit dem Hausarzt Gegenmaßnahmen besprechen, damit Ihr Pflegekunde nicht eigenmächtig die Medikamente absetzt. Auch diese Medikamentengruppe kann mit denen der Stufe 1, aber nicht mit denen der Stufe 2 kombiniert werden.

Kann der vorliegende Schmerz bei Ihren Pflegekunden mit diesen Medikamenten nicht ausreichend behandelt werden, stehen die Medikamente der 3. Stufe zur Verfügung. Diese Medikamente fallen unter die Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung (BtMVV), da es sich um stark wirksame Opioide handelt. Zu nennen wäre hier beispielhaft das Morphin.

Wichtig: Nicht alle Analgetika wirken gleich. Hier ist es unabdingbar zu prüfen, welche Schmerzursachen vorliegen. Zum Beispiel wirken die Antirheumatika, wie z. B. Ibuprofen, entzündungshemmend. Hingegen wirkt Novalgin zusätzlich entkrampfend, nicht aber entzündungshemmend. Vor dem Hintergrund, dass nun viele alte Menschen unter klassischen Rheumaerkrankungen leiden, macht das häufige Verschreiben von Novalgin nur wenig Sinn.

Für eine gute Schmerztherapie hat sich die DNA-Regel in den letzten Jahren durchgesetzt:

D = durch den Mund (gesicherte Aufnahme des Wirkstoffes)
N = nach der Uhr (richtet sich nach der Wirkdauer des Medikamentes)
A = gemäß Analgetikastufenschema (WHO-Stufenschema)

Insbesondere müssen Sie darauf achten, dass die Analgetika der 2. nicht mit denen der 3. Stufe kombiniert werden können, da die Wirkung der stärkeren Medikamente dann herabgesetzt wird.

Checkliste: Darauf müssen Sie als Pflegekraft bei der Schmerzmittelgabe achten
Wenn das angeordnete Schmerzmittel nicht wirkt, verständigen Sie zeitnah den behandelnden Arzt.
Sie kennen sich mit den Wirkungen und Nebenwirkungen der eingesetzten Schmerzmedikamente aus.
Ihre Pflegekunden und ihre Angehörigen werden im Umgang mit Schmerzselbsteinschätzung beraten.
Die individuellen Schmerzäußerungen Ihrer Pflegekunden sind Ihnen bekannt.
Der behandelnde Arzt wird von Ihnen darauf aufmerksam gemacht, dass Medikamente der 2. mit der 3. Stufe nicht zu kombinieren sind.
Sie kümmern sich zeitnah um die Behandlung der auftretenden Nebenwirkungen.
Ihre Pflegekunden können Sie bezüglich der Nebenwirkungen bei Opioiden aufklären.
Ihre Pflegekunden und deren Angehörige können Sie bezüglich der (unbegründeten) Angst vor einer möglichen Sucht bei der Gabe von Opioiden aufklären.
Sie wissen um die Wirkdauer der einzelnen Medikamentengruppen.
In der Einstellungsphase gewähren Sie eine telefonische Erreichbarkeit für Ihren Pflegekunden, so dass Sie zeitnah auf Nebenwirkungen reagieren können.
Direkt bei Beginn Ihres Pflegeauftrags klären Sie mit dem Hausarzt die Bedarfmedikation für Schmerzen bei Ihren neuen Pflegekunden ab.

Auswertung: Wenn Sie alle Punkte abhaken konnten, unterstützen Sie den behandelnden Arzt wirkungsvoll in der Schmerztherapie. Bessern Sie dort nach, wo Sie kein Häkchen setzen konnten.