Palliativpflege heute
Palliativpflege heutePflegerische Maßnahmen für die effektive Symptomlinderung in der Palliativpflege

Pflegerische Maßnahmen für die effektive Symptomlinderung in der Palliativpflege

Für die bestmögliche Lebensqualität von schwerstkranken und sterbenden Menschen zu sorgen ist das Ziel unserer palliativen Pflege. Die effektive Symptomlinderung, also die Linderung von Schmerz, Atemnot, Übelkeit, Obstipation, Unruhe, Mundtrockenheit und anderen Symptomen, ist dabei eine zentrale Aufgabe.

Durch Ihre ganzheitliche Sichtweise, den Pflegekunden und Bewohner als physische, psychische, spirituelle und soziale Einheit zu betrachten, sind Sie Begleiter für schwerstkranke und sterbende Menschen sowie deren Angehörige. In Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen wie Ärzten, Sozialarbeitern, Psychologen, Seelsorgern und Physiotherapeuten führen Sie sowohl nichtmedikamentöse als auch ärztlich verordnete medikamentöse Therapiemaßnahmen durch.

Ihr Wissen über Symptome, deren Behandlungsmöglichkeiten und -grenzen ist für eine erfolgreiche Symptomlinderung entscheidend.

Am Beispiel der Obstipation erfahren Sie hier, welche pflegerischen Maßnahmen Ihnen als Pflegefachkraft zur Verfügung stehen.

Obstipation - Es geht auch ohne Zäpfchen, Sirup und Tropfen

In der Palliativversorgung ist Obstipation ein häufig auftretendes Symptom. Aus Scham sprechen Betroffene nicht über diese Belastung. Daher ist es sinnvoll, den zu Pflegenden gezielt zu befragen.

Bevor Sie die Behandlung mit pflegerischen Maßnahmen beginnen, sollten Sie mit dem Betroffenen über seine „Toilettengewohnheiten“ sprechen. Hier gibt es sehr individuelle Gewohnheiten. Untersuchungen zeigen, dass etwa Pflegeheimbewohner, die es gewohnt waren, eine Zigarette oder eine Zeitung mit zur Toilette zu nehmen, spürbar weniger Abführmittel benötigen, wenn sie dieses Ritual auch im Pflegeheim weiter ausleben dürfen. Besprechen Sie also die Rituale Ihrer zu Pflegenden während des Toilettengangs, und, versuchen Sie, diese aufrechtzuerhalten.

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Die häufigsten Ursachen für eine Obstipation

Für das Symptom „Obstipation“ gibt es viele Ursachen. Hier sollen nur einige genannt werden:

  • Zu wenig Bewegung, so dass die Darmperestaltik nicht genügend aktiviert wird
  • Zu geringe Flüssigkeitsaufnahme
  • Zu wenig Ballaststoffe in der Nahrung
  • Langjähriger Missbrauch von Abführmitteln
  • Medikamente, z. B. Opioide und Koanalgetika
  • Neurologische Erkrankungen wie z. B. Parkinson oder Apoplex, hier liegt eine reduzierte Darmmotilität vor
  • Tumore im Bauchraum, in der Darmpassage

Versuchen Sie es zunächst ohne Medikamente

In der Palliativversorgung ist es häufig schwierig, einer Obstipation durch mehr Bewegung, mehr Flüssigkeit und ballaststoffreiche Ernährung zu begegnen. Die zu Pflegenden vertragen diese Maßnahmen meist nicht.

Dagegen wird z. B. eine behutsame Colonmassage eher angenommen.

Bei Obstipation ebenfalls gut bewährt haben sich sanfte Einläufe. In der unten stehenden Schritt-für-Schritt-Anleitung für einen Honig-Milch-Einlauf sehen Sie, wie Sie solch einen Einlauf sanft anwenden. Bedenken Sie, dass Milch die Gleitfähigkeit erhöht und Honig Wasser bindet. Beides fördert daher auf eine sanfte Weise das Abführen.

Schritt-für-Schritt Anleitung: So führen Sie den sanften Einlauf bei Verstopfung durch

Schritt 1: Informieren Sie den Betroffenen, und bereiten Sie die Utensilien vor.
  • Holen Sie die Zustimmung des Betroffenen ein.
  • Bereiten Sie die Utensilien für einen Einlauf mit Darmrohr und Irrigator vor.
  • Erwärmen Sie 200 ml Milch auf niedriger Stufe (lauwarm), und rühren Sie 1-2 Esslöffel Honig ein.
Schritt 2: Legen Sie den zu Pflegenden auf die linke Seite.
  • Damit die Flüssigkeit möglichst weit in den Darm einlaufen kann, müssen Sie den zu Pflegenden auf die linke Seite legen.
  • Legen Sie sicherheitshalber eine Einmalunterlage unter das Gesäß.
Schritt 3: Führen Sie das Darmrohr ein.
  • Streichen Sie das Darmrohr mit Vaseline ein.
  • Führen Sie das Darmrohr unter leichten Drehungen vorsichtig ein.
Schritt 4: Schließen Sie den Irrigator an, und lassen Sie die Flüssigkeit einlaufen.
  • Schließen Sie den Irrigator über einen kleinen Schlauch an das Darmrohr an.
  • Lassen Sie die Flüssigkeit langsam in den Darm einlaufen.
  • Beobachten Sie währenddessen den zu Pflegenden, und unterbrechen Sie die Maßnahme sofort, wenn es zu belastend wird.
  • Bitten Sie den Betroffenen, die Flüssigkeit möglichst lang einzubehalten.
Schritt 5: Führen Sie den Betroffenen zur Toilette.
  • Verspürt der zu Pflegende einen Stuhldrang, führen Sie ihn zur Toilette, oder setzen Sie ihn auf einen Toilettenstuhl bzw. auf die Bettpfanne.
  • Beachten Sie bei der Durchführung der Maßnahme die Intimsphäre des zu Pflegenden.

Kaffee ist eine gute Alternative

Eine Alternative zum Honig-Milch-Einlauf ist der Kaffee-Einlauf. Kaffee regt die Peristaltik an, wirkt schmerzlindernd und reizt die Darmschleimhaut. Gehen Sie bei dieser Maßnahme ähnlich vor wie in der Schritt-für-Schritt-Anleitung beschrieben. Statt 200 ml Milch verwenden Sie dieselbe Menge lauwarmen Kaffee.

Beobachten Sie, welche der Maßnahmen für den Betroffenen am wenigsten belastend ist. Dokumentieren Sie diese Intervention, damit auch Ihre Kollegen oder Mitarbeiter im Krankenhaus auf diese bewährte Methode zurückgreifen können. Berücksichtigen Sie daher diese Maßnahme auch im Palliativen Überleitungsbogen.