Palliativpflege heute
Palliativpflege heuteWas Sie über die Missverständnisse und Grenzen von Palliative Care wissen sollten

Was Sie über die Missverständnisse und Grenzen von Palliative Care wissen sollten

Palliative Care

Palliative Care ist bei allen Möglichkeiten, die sie bietet, auch Missverständnissen, überhöhten Erwartungen und Gefahren ausgesetzt. Für uns Pflegende ist wichtig, dass wir neben den Möglichkeiten auch die Grenzen kennen: Was Palliative Care nicht ist und nicht leisten kann.

Praktiker in der Altenpflege wissen Sie, dass immer noch viele Menschen bisher wenig über Palliative Care gehört haben und sehr unterschiedliche Vorstellungen darüber existieren.

Finden Sie eine gemeinsame Sprache

Es ist wichtig, dass wir in Bezug auf Palliative Care eine gemeinsame Sprache finden. Wenn Sie über Missverständnisse, überhöhte Erwartungen und Gefahren informiert sind, können Sie Ihr Wissen an andere weitergeben. Damit leisten Sie einen wertvollen Beitrag für die Öffentlichkeit. Sie tragen dazu bei, das Behandlungskonzept „Palliative Care“ differenzierter darzustellen und transparenter zu machen. In der Übersicht auf dieser Seite finden Sie dazu die jeweils passende Argumentation.

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Übersicht: Missverständnisse, falsche Erwartungen und Grenzen von Palliative Care

Muster: Grundsätze einer gesunden Haltung gegenüber sich selbst und seinem Beruf
Richtig ist:
Alle belastenden Symptome können immer genügend gelindert werden.
Viele Symptome in der Palliativmedizin können gelindert werden, aber nicht alle und immer.
Palliative Care ist auf Sterbebegleitung reduziert.
Palliative Care beginnt nicht erst beim Sterben. Palliative Maßnahmen setzen schon früh bei unheilbaren Erkrankungen ein.
Jede lindernde Behandlung ist bereits Palliative Care.
Palliative Care ist ein Behandlungskonzept, isolierte Maßnahmen haben nichts mit Palliative Care zu tun und spiegeln nicht das Spektrum von Palliative Care wider. Palliative Care ist in 1. Linie auch eine Einstellung und Haltung.
Palliative Care beschränkt sich auf ältere Menschen.
Palliative Care ist nicht an ein bestimmtes Alter gebunden. Es gibt z. B. Kinderhospize und Palliativstationen für Kinder und Jugendliche.
Palliative Care ist mit dem Verzicht auf kurative Behandlungsansätze gleichbedeutend.
Palliative und kurative Behandlungsansätze können parallel existieren.
Palliative Care ist auf Tumorerkrankungen reduziert.
Palliative Care ist nicht auf Tumor-Patienten reduziert. Palliative Care gilt für alle unheilbaren und chronischen Erkrankungen, wie z. B. auch COPD, MS und AIDS.
Palliative Care ist ausschließlich auf den Patienten beschränkt.
Palliative Care ist ein Behandlungskonzept, das alle Betroffenen (Patienten, Angehörige, auch Sie als Pflegemitarbeiter sowie alle anderen beteiligten Personen) mit einschließt. Angehörige werden auch oft Zugehörige genannt.
Opiate wirken atemdepressiv, sind gefährlich und dürfen nicht verschrieben werden.
Opiate müssen von fachkundigen Ärzten verschrieben werden. Sie sind ein gutes Mittel gegen Schmerzen und Luftnot und dürfen deswegen nicht vorenthalten werden. Auch die Anwendung und Verabreichung von Opiaten gehören in die Hände von fachkundigem Pflegepersonal.
Zu den überhöhten Erwartungen gehört:
Richtig ist:
Der Wunsch nach begleitetem Suizid oder aktiver Sterbehilfe tritt in allen Situationen zurück.
Palliativmedizin bietet Schwerstkranken eine Alternative zur aktiven Sterbehilfe. Dieser Wunsch tritt in manchen Fällen aber nicht immer zurück. Palliative Care ist gegen aktive Sterbehilfe.
Der Sterbeprozess kann so beeinflusst werden, dass es immer zu einem friedlichen Sterben kommt.
Häufig sind Menschen kurz vor ihrem Tod sehr unruhig. Dies wird von den Außenstehenden als sehr belastend empfunden.
Zu den Gefahren gehört:
Richtig ist:
Palliative Care beschränkt sich auf das Verschreiben von Opiaten.
Palliative Care ist ein Gesamtkonzept und schließt körperliche, psychische, soziale und spirituelle Aspekte mit ein. Es bietet neben dem Verschreiben von Medikamenten gegen Schmerzen auch viele nichtmedikamentöse Maßnahmen an.
Palliative Care wird ausschließlich an Spezialisten delegiert.
Palliative Care ist eine Haltung und Einstellung und nicht an einen bestimmten Ort gebunden wie z. B. Hospize, Palliativstationen und Krankenhäuser. Palliative und hospizliche Begleitung findet auch im Altenhilfe- und im ambulanten Bereich statt.
Palliative Care ersetzt sinnvolle kurative Optionen.
Palliative Maßnahmen schließen kurative Maßnahmen nicht aus. Zur Verdeutlichung ein Beispiel: Soll ein mechanischer Darmverschluss in der Frühphase eines Lungenkarzinoms mit kurativer Absicht operiert werden?
Palliative Care wird aufgrund ökonomischer Überlegungen zur Vorenthaltung von medizinisch indizierten Maßnahmen eingesetzt.
Palliative Care integriert insbesondere ethische Fragestellungen und hinterfragt z.B.: Welcher Nutzen und welche Gefahren sind mit einer Maßnahme verbunden?